Eine dicke Lehmschicht ziert den Boden der Arena, jaulende Trucks fliegen durch die Luft und lassen Kinderaugen glänzen. Mittendrin steht die 20-jährige Geneva Keller. Seit 2025 fährt sie für Monster Jam. An diesem Wochenende gastiert sie mit der größten Monster-Truck-Show der Welt beim einzigen Deutschland-Event 2026 in Gelsenkirchen. Ein Wochenende, das in die Geschichtsbücher der VELTINS-Arena und von Geneva Keller eingehen wird. Das aufstrebende Talent ist die jüngste von insgesamt acht Fahrerinnen und Fahrern, die am Samstag an den Start gegangen sind. Mit der Schweizerin ist erstmals auch ein deutschsprachiges Talent Teil des internationalen Fahrerfelds. Wir durften sie an diesem Wochenende begleiten. Geneva ist selbst noch nicht lange dabei, denn erst seit Oktober 2025 sitzt sie am Steuer der 1000 PS starken Gefährten. Ihr Weg zur Monster-Truck-Fahrerin war allerdings schon früh vorgezeichnet. „Ich habe bereits im Alter von vier Jahren mit dem Go-Kart-Rennsport begonnen. Als ich sechs war, habe ich meine erste Monster-Jam-Veranstaltung gesehen, und seit diesem Zeitpunkt wollte ich nichts anderes mehr, als für Monster Jam zu fahren.“ Über Tryouts und Monster Jam Academy erfüllt sie sich ihren Kindheitstraum. Wem das Gesicht der Schweizerin bekannt vorkommen mag, muss sich nicht unbedingt täuschen, denn Geneva ist auch noch Stuntfrau. Unter anderem für den Tatort. Von Florida nach Gelsenkirchen Aktuell lebt die 20-Jährige im US-Bundesstaat Florida, von wo aus sie am Mittwoch (10.6.) nach Gelsenkirchen gestartet ist. Zu Beginn eines jeden Monster-Jam-Wochenendes steht aber erst mal die für sie lästige Arbeit: „Bevor ich meine Tasche packe, achte ich darauf, dass mein Rennanzug sauber ist. Danach kommt er mit meinem Helm, Handschuhen, Sturmhaube und Schuhen in meine Sporttasche.“ Das Besondere: Jeder Fahrer besitzt für die verschiedenen Trucks einen eigenen, maßgeschneiderten Anzug. Nach dem Packen wartet die Langstrecke: Vom Heimatflughafen geht es für Geneva erst nach Atlanta, von wo aus sie über Amsterdam und Düsseldorf schließlich ihr Ziel erreicht. Nach der langen Reise checkt sie gegen 17 Uhr in Gelsenkirchen im Hotel ein. Danach heißt es erst einmal ankommen und akklimatisieren: „Nach der Ankunft haben wir eine Pizza gegessen, ein paar Bier getrunken und den Abend entspannt ausklingen lassen. Viel Zeit, die Stadt zu erkunden,bleibt da nicht.“ Am Freitag steht erst einmal das Fahrer-Briefing auf dem Plan, bevor es endlich in die Trucks geht. Diese Vorbesprechung stellt einen wichtigen Bestandteil des Wochenendes dar: „Es ist einfach wichtig, dass alle auf dem gleichen Stand sind, was die Besonderheiten und Regeln an diesem Wochenende angeht. Vor allem, dass alle die Sicherheitsinformationen verstanden haben.“ Im folgenden Training gilt es, die Vorstellung für das Publikum einzustudieren und in einer Proberunde ein Gefühl für den Untergrund zu bekommen. Denn der schlammige Boden ist von Stadion zu Stadion komplett unterschiedlich, wie die Schweizerin berichtet: „Hier in Deutschland ist der ein bisschen federnd bzw. weich. Man kann sehen, dass er nachgibt und wieder zurückfedert. Deshalb wird er bei unseren Landungen sehr nachsichtig sein und Stöße gut abfedern.“ Kaum sind die Motoren abgestellt, nehmen sich die Extremsportler noch viel Zeit für Interviews, Promotion-Videos und Fotos. Geneva ist hier besonders gefragt. Neben dem Urgestein Charlie Pauken, der bereits seit 1998 am Steuer des legendären „Grave Digger“ sitzt, ist die junge Schweizerin der heimliche Star des Events. Nach getaner Arbeit bleibt endlich etwas Zeit zum Durchschnaufen. Ihren Ausgleich zum lautstarken Motorsport findet Geneva in einem ganz anderen Genre: „Ich liebe Horrorfilme. Letzte Woche war ich sogar auf einer Horrorfilm-Convention. Ich schaue einfach unglaublich gern Filme.“Wenn sie nicht gerade auf der Rennstrecke unterwegs ist, sieht ihr Alltag in den USA meistens so aus: „Normalerweise gehe ich morgens zuerst ins Fitnessstudio. Danach erledige ich Bürokram. Manchmal fahre ich nachmittags in die Walt Disney World, einfach weil ich gerne dort herumlaufe. Das betrachte ich als mein zweites Workout des Tages.“ Im Anschluss kocht sie sich gerne etwas und setzt sich für einen gemütlichen Filmabend mit ihren Katzen auf die Couch. Monster Jam auf Schalke Am Samstag um 10.30 Uhr wird füllt sichdie VELTINS-Arena rasch: Die Pit Party steht an. Die perfekte Möglichkeit für viele Fans, die Fahrerinnen und Fahrer haut nah zu treffen. Die Trucks sind dafür im Innenraum drapiert und jeder Motorsportler hat einen eigenen Stand. Die größte Traube hat sich um Charlie Pauken und seinen Truck gebildet, aber auch Geneva hat ordentlich zu tun. Für besondere Aufmerksamkeit sorgen ihre Haare: „Ich trage gerne lustige Haarschleifen, Glitzer oder auffällige Socken, so finden die Kinder leichter mit mir ins Gespräch.“ Die Pit Party sorgt bei vielen Gästen für leuchtende Augen und tolle Begegnungen mit ihren Stars. Wenig später geht es endlich in die Disziplinen: Zuerst racen die einzelnen Trucks im Eins-gegen-eins-Modus bis ins Finale. Immer an Bord mit dabei ist Genevas Glücksbringer: „Ich trage immer Glückssocken. Heute sind das meine Socken mit rosa Totenköpfen. Ich habe immer ein bestimmtes Paar, das ich trage.“ Zwischen den einzelnen Wettkämpfen wie dem Skills-Wettbewerb und dem großen Freestyle gibt es für das Publikum noch viele weitere Highlights. Eine spektakuläre Showeinlage einer Motocross-Crew sorgt für zusätzliche Begeisterung. Die Fahrer fliegen in atemberaubendem Tempo durch die VELTINS-Arena und bringen die Zuschauerränge mit ihren besonderen Stunts zum Toben. Im großen Freestyle-Wettbewerb geht für Geneva schließlich ein großer Traum in Erfüllung. Vor den Augen ihrer Eltern schafft sie es, ihren rund fünf Tonnen schweren Truck zu einem perfekten Backflip zu bewegen. Der erste ihrer noch jungen Karriere! Damit schreibt sie in der VELTINS-Arena ihre ganz eigene Geschichte. Überglücklich und strahlend steht sie auf dem Reifen ihres Trucks und genießt den tosenden Applaus des Publikums. So ein spektakulärer Stunt ist im ersten Jahr bei Monster Jam alles andere als selbstverständlich. Mit diesem Erfolg geht ein großartiger Tag zu Ende, während die Fahrer noch letzte Fotos knipsen und sich die Arena langsam leert. Ob Geneva in zehn Jahren immer noch im Truck sitzen wird? „Ich will dann unbedingt noch im Truck sitzen, das ist mein Traum. Wenn ich eines Tages Kinder habe und Mutter bin, wie cool wäre es denn bitte, eine Mama zu sein, die Monstertrucks fährt?“
Für den großen Sieg im Racing reicht es dieses Mal leider noch nicht. Geneva lernt gerade erst noch dazu und ist erst seit Oktober Teil von Monster Jam. Dabei helfen ihr vor allem die Kollegen: „Brandon Arthur, der den Truck ‚EarthShaker‘ fährt, ist für mich so etwas wie ein großer Bruder. Ich frage ihn oft nach Ratschlägen zu den verschiedenen Rampen“, erzählt sie. „Da ich in den Stadien relativ neu bin, hole ich mir immer gerne Tipps von den anderen Fahrern. Trotzdem fahre ich immer noch auf meine eigene Art und Weise“, führt sie aus.





